Der Drang zur europaweiten Standardisierung aller möglichen Dinge sei als bekannt vorausgesetzt.

Die neuen Entwicklungen in der Versorgung der Bürger mit Medieninhalten hat uns das Handy-TV beschert: Man könne künftig auf dem Mobiltelefon oder dem PDA Fernsehen empfangen. Erste Reaktion meinerseits war zum Zeitpunkt der Kenntniserlangung: “Großartig, aber für mich ist das wahrscheinlich nichts.” Was nicht heißen soll, dass nicht jeder, der gerne möchte, in Bus, Bahn, an der Haltestelle oder in der Vorlesung in der jeweils vom Anstand gebotenen Lautstärke sich dem Empfang kurzer Beiträge hingeben solle. Im Gegenteil: Je mehr das mitmachen, umso günstiger wirds vermutlich für den Einzelnen. Das käme wieder mir entgegen, der ich dann ausnahmsweise mal als “Late Adopter” von niedrigen Preisen profitiere, wenn ich wieder nur noch Telefone bekomme, die auch TV als integrierten Bestandteil aufweisen. Macht ja auch nix.

Interessant erscheint mir die Herangehensweise an die Problematik des Standards für das künftige Angebot. Derer gibt es ja mehrere, ein gemeinsamer in ganz Europa oder auch weltweit ist sicher sinnvoll und ganz im Sinne der europäischen Integration und Freizügigkeit. Doch wie sollte es zu diesem gemeinsamen Standard kommen? Lesen wir in der FTD:

Die zuständige Kommissarin Viviane Reding wird die Industrie sowie die Mitgliedsstaaten diese Woche auffordern, die Entwicklung und Verbreitung von DVB-H als europäischen Standard zu forcieren.

Sollte dies nicht bis zum kommenden Jahr gelingen, droht die Luxemburgerin damit, einen Standard zwingend vorzuschreiben.

Und genau da sitzt das Problem. Wieso denn zwingen. Die Anbieter der Inhalte, die Hersteller der Geräte und die Netzbetreiber haben allesamt ein Interesse daran, dass möglichst viele potentielle Kunden an möglichst vielen Orten mit ihren Endgeräten die Angebote nutzen können, denn das ist schließlich das Geschäftsmodell. Problematisch wird das ganze doch erst dadurch, dass die Politik hier wieder mal das Ziel einer Entwicklung vorgibt und den gesellschaftlichen Akteuren die Entscheidung über das Ziel aus der Hand nimmt, weil sie der Meinung ist, alles besser zu wissen. Mal wieder Prozesspolitik. Mal etwas weniger davon. Bitte.

Gerade läuft: “Fire on the Bayou” von The Meters