Letzte Woche Sonntag bin ich von Leipzig nach Köln gefahren. Erster Stau kurz hinter Dreieck Rippachtal auf der A9 Richtung Süden, der löst sich auf, nachdem 20 Meter (!) zweispurige Fahrbahn passiert sind. Nächster Stau kurz danach wegen gleicher Ursache. Dritter Stau auf den Kilometern vor dem Hermsdorfer Kreuz. Vierter Stau nach Bad Hersfeld vor dem Kirchheimer Dreieck. Fünfter vor dem Hattenbacher Dreieck. Man hat ja sonst nix vor. Kurz vor Gießen fing es genau damit an: es begann stark zu regnen und all die Sonntagsfahrer beschränkten sich auf gefühltes Schritttempo. Eine Fahrt von mehreren sehr langen Stunden insgesamt.

Samstag bin ich die Strecke Köln-Erfurt von Haustür zu Haustür in 3 Stunden 20 Minuten gefahren. Ein Traum. Sonntagvormittag von Erfurt nach Leipzig in 1 Stunde 5 Minuten. Noch ein Traum. Sonntag Nachmittag 15.30 Uhr wieder in LE los Richtung Köln. Und wieder: Rippachtal bis Hermsdorfer Kreuz: 3x Stau, Kirchheim, Hattenbach, Alsfeld jeweils 1x Stau. Immerhin kein Regen zwischen Gießen und Gummersbach.

Was fiel mir auf bei dieser Fahrt? Der absolute Unmut deutscher Autofahrer, die rechte Spur zu nutzen. Und zwar unabhängig davon, ob die Autobahn zwei oder drei Spuren hat. Man fährt gemütlich auf der linken Spur in der gleichen Geschwindigkeit wie der Nebenmann und lässt den Verkehr hinter sich auf Kilometerlänge aufstauen. Ohne jede Rücksichtnahme. Ich halte das für Behinderung.

Aber es gab noch eine zweite, weitaus (im wahrsten Sinne) tödlichere Gefahr: das plötzliche Abbremsen auf der linken Spur. Wir kennen das: Man fährt ohne Tempolimit und ist gerade auf der linken Spur unterwegs. Man lässt ein bisschen abfallen, weil man den nächsten rechts vorne zwecks Verkehrsfluss kurz überholen lassen will und der nur unwesentlich langsamer ist als man selbst. Während des Überholvorgangs taucht das unvermeidliche 130er- oder 100er Schild auf und kurz danach das 100er oder 80er. Und der Vordermann geht in die Eisen aber auch ganz sicher beim Schild die vorgeschriebene Geschwindigkeit drauf zu haben. Natürlich ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten, der vielleicht mit der Schärfe der Bremsung in dem Maße nicht rechnet. Es dennoch zu schaffen, ohne dass ich dem Vordermann reinfahre und ohne dass mein Hintermann mir reinfährt, dass ist ein Glück, das lässt sich kaum in Worte fassen.

Gerade läuft: „Modern Way(Buena Vista Social Club)“ von Kaiser Chiefs