Dementierte Gerüchte besagen, die SPD strebe in Hessen eine Rot-Grüne Minderheitsregierung an, die von der Linken geduldet werden könnte.
Man stelle sich vor, die CDU strebte (das ist nur ohne FDP denkbar) eine Minderheitsregierung an, die von der NPD geduldet werden müsste.
Warum vermute ich nur, dass ersteres nicht zu dem Aufschrei führen würde, den zweiteres verursachte. In beiden Fällen handelt es sich um gedankliche oder rechtliche Nachfolgeparteien von Ein-Parteien-Systemen mit zumindest verbrecherischem und menschenverachtendem Hintergrund, bei denen man die Distanz zu ihren jeweiligen Vorgängern oft nicht erkennt. Ein befreundeter Historiker beschriebt das Parteiensystem denn auch wie einen Quintenzirkel:
Ges-Dur bzw. Fis-Dur kommen am unteren Ende klanglich auf dasselbe raus (Musikästheten bitte großzügig sein). Und manche Parteien sind soweit links, dass sie eigentlich rechts sind.
Gerade läuft: “Whatever you need” von Tina Turner
Februar 21st, 2008 at 15:04
ich hoffe für dich, dass du das weltbild das du mit Der Linken. verknüpfst nicht mit dem vergleichst, welches die npd mit sich rumschleppt.
Solltest du nicht verstehen, wo der Unterschied liegt, lies mal Goebbels Tagebücher, dann verstehst du, wahrscheinlich.
Ceterum censeo finde ich es ja viel übler, in einer Blockparteiennachfolgepartei zu sein. Mit dem freiheitlich-liberalen Gestus, den FDP so gern an den Tag legt war es zu DDR Zeiten bei der Vorgängerpartei nämlich auch nicht allzuweit her.
Und am Ende: die Staatsratsvorsitzende err Bundeskanzlerin war FDJ-Sekretärin.
Februar 21st, 2008 at 15:16
Doch. Ich vergleiche. Ich setze nicht gleich. Das ist ein Unterschied.
Warum war es mit dem freiheitlichen Gestus in der DDR nicht weit her? Möglicherweise, weil man als Kritiker des Systems Gefahren an Leib und Leben ausgesetzt war.
Du hältst es für schlimmer, in der FDP zu sein als in der Linken mit der Begründung, dass die Nachfolgeorganisationen von Blockparteien mit ihr fusioniert sind wogegen die Linke Nachfolgerin der Einheitspartei war? Interessante Argumentation.
Februar 21st, 2008 at 15:41
Ja, das ist sie, fürwahr. Erstens glaub ich, auszuführen ist immer besser als angewiesen zu werden (und dann auszuführen). Das Outcome sei da mal an den Rand gestellt. Zweitens denke ich, die SED hatte 2,3 Millionen Mitglieder - die PDS Anfang 90 grad mal 100.000. Wo sind nur die anderen geblieben. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch mal an die Kanzlerin …
Und wenn du schon vergleichst: was passiert, wenn man mit möglichst radikalen Mitteln gegen die derzeitige Demokratieform vorgeht, kannst du von rechts wie links in Stuttgart-Stammheim besichtigen (Achtung: nichts rechtfertigt Mord und Terror).
Überwacht wird man auch - nur brauchts in der BRD keine 100.000 inoffiziellen Mitarbeiter, sondern nur 10.000 offizielle. Genauso viele übrigens, wie im 3. Reich. Und da war ja die Überwachung auch recht effektiv…
Und das mit der Reisefreiheit (mein Lieblingsgrund, die DDR zu überwinden: weil wir nicht überall hinfahren konnten) ist ja auch ein Witz angesichts von klimaschädigung durch Fliegen und HartzIV.
So schlecht und unfrei wie die DDR auch war - eines solltest du nicht vergessen: heute ist vieles von dem was in der DDR strafbewehrt war aufgrund der undemokratischen Gegebenheiten nicht einmal mehr möglich. Setz dich mal in den Leipziger Hauptbahnhof als Punk oder Skinhead. Oder zähl mal die Kameras in der Innenstadt (1989: 3, 2008: über 600).
naja. so halt.