Die Süddeutsche schreibt, der Regierungschef Liechtensteins wäre in Berlin, um den “ramponierten Ruf” seines Landes wieder aufzupolieren.

Wieso eigentlich “ramponiert”?

Liechtenstein hält derzeit rechtsstaatliche Prinzipien hoch, die von der deutschen Politik mit Füßen getreten werden. Zumindest nehmen deutsche Politiker diese Tritte billigend in Kauf. Liechtenstein legt, genau wie seine Bankhäuser, wert darauf, dass jeder Anleger, der sich die Steuergesetzgebung in dem Fürstentum zunutze macht, darüber informiert wird, dass er für Gewinne ggf. im heimatland ordnungsgemäß Steuern zahlen muss. Dass dies von dem einen oder anderen geflissentlich übergangen wird, ist kriminell - keine Frage. Liechtenmstein jetzt dafür den Schwarzen Peter (nein, nich den hier)zuzuschieben, ist zu einfach.

Ich fühle mich ein bisschen zurückversetzt in die Zeit der Joe-Ackermann-Diskussionen. Auch da wurde von Imageverlust und ähnlichem gesprochen. Stellenabbau bei gleichzeitigen Gewinnen - wie passt das zusammen? Ackermann behielt damals recht: mehr Kunden, mehr Gewinn, höhere Bilanzsumme, höheres Eigenkapital. Die Kunden der Deutschen Bank haben das konsequente Management und den offenen Umgang damit (denn die meisten anderen Banken haben genauso gehandelt, aber nicht laut darüber gesprochen) honoriert.

Das gleiche wird mit Liechtenstein passieren. Es werden mehr Deutsche ihr Geld nach Liechtenstein tragen, ob sie es versteuern oder nicht. Die Tatsache, dass einige Politiker den Vollzugriff auf die Bankkonten der Bürger fordern, wird sicher mehr Menschen dazu bringen, ihre Finanzen dem zugriff des Schnüffelstaates zu entziehen. Schon heute kann man sich bei vielen deutschen Firmen im Ausland bezahlen lassen, auch mit niedrigem Gehalt übrigens. Wofür ist das wohl ein Indiz? Die liechtensteiner Banken werden Kunden gewinnen, weil sie eine wichtige Sicherheit bieten: Datenschutz.

Gerade läuft: “Run Honey Run” von Morcheeba