Es ist die letzten Tage schon ausreichend durch die Presse gewandert: der RBB muss sparen und stellt deswegen radio multikulti und das ARD-Magazin polylux ein. Über beide Produktionen der Anstalt kann man streiten, das will ich aber hier nicht tun. Eines ist beiden Produktionen jedoch gemein: sie gehen unkonventionelle Wege und - im ARD-Portolio nicht eben häufig - man kann über sie streiten, und zwar inhaltlich.
Keine Frage, multikulti hätte mehr Hörer gebrauchen können und natürlich sollten all diejenigen aus der Region BB, die jetzt über die Einstellung schimpfen lieber selber einschalten sollen. Ein Radiosender als Integrationswerkzeug. Persönlich fühle ich mich total integriert, ich wohne auch nicht in der Region, ich habe leicht reden. Andererseits ist das Minderheitenprogramm ureigenste Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Neben multikulti betreibt der RBB noch Fritz, radio eins, Inforadio, Kulturradio, Radio Berlin und Antenne Brandenburg. Das ganze in einer Region, in der es so viele Radiostationen gibt wie sonst kaum an einer Stelle in Deutschland. Sei’s drum. Der RBB geht auch bei radio eins neue Wege. Der Sender meiner Wahl, wenn ich in der Nähe der Hauptstadt bin. Es ist immer schwer, Budgets zu kürzen, andererseits wäre Adult Contemporary ein besserer Ansatz zum Kostensparen. Andererseits muss man sich fragen, warum der kleine RBB überhaupt derart viele Sender betreibt. Klar, da hat die Geschichte aus SFB und ORB was mit zu tun, aber trotzdem: Warum werden solche Fusionen wie die der beiden Alt-Anstalten zur neuen Anstalt nicht genutzt, um die eigenen Aufgaben zu definieren und sich daraus einen klaren, selbstverpflichtenden Auftrag zu geben. Nur weil der Gesetzgeber von ARD und ZDF immer wieder gehindert wird, auf den FUnktionsautrag erfolgreich Einfluss zu nehmen, kann jede Anstalt selbst im Sinne der Gebührenzahler, der Zuschauer und der Gesellschaft tätig werden und die eigenen Taten kritisch beleuchten, das Deutschlandradio macht das sehr erfolgreich. Interessant auch die Aussage von Dagmar Reim, dass sowohl das feste auls auch das freie Personal bei multikulti nicht auf die Straße gesetzt werden sollen. Hmm… Also keine Einsparungen beim Personal sondern nur beim Programm. Eine Schande.
In Sachen polylux: was bringt der RBB denn jetzt statt dessen ins Erste Programm der ARD ein? Hab ich das schon irgendwo verpasst?

Gleichzeitig werden von den ÖR Millionen in die völlig unzureichende Mediathek gesteckt. Dafür ist Geld da. Wie hochwertig die Inhalte dafür sind, diese Frage bleibt offen.

Gerade läuft: “Rhythmologie” von Hans Kottkamp und Gerhard Hindricks