So sehr mich persönlich jedes Elefantenrennen auf Autobahn nervt, so wenig Verständnis habe ich für den jüngsten Vorstoß von Wolfgang Tiefensee zur Stauvermeidung. Tiefensee möchte durch die Vermeidung von Staus - natürlich - CO2 einsparen.
Der Plan sieht vor, Überholverbote zu erlassen, und unterschiedliche Mautbeträge für unterschiedliche Tageszeiten zu erheben. Eine sinnvolle Anregung hat er auch, das sei erwähnt: die Standspuren sollen zu Stoßzeiten freigegeben werden.

Ich bin gespannt darauf, wie er das argumentativ unterfüttern will. Schließlich darf man annehmen, dass auch ein Brummiefahrer flott seinen Job zu Ende bringen will. Wenn er überholt, so geschieht das, weil der Vordermann zu langsam erscheint. Verbietet man ihm jetzt das Überholen, dann werden wir in Kürze LKW-Spuren mit einem Tempo von 80 oder maximal 90 Stundenkilometern auf der Bahn haben. Den Ökomanen wird das sicher gefallen, denn dann verbrauchen die Laster ja auch weniger. Die langen Reihen von LKWs, die sich absehbar kilometerlang hinter dem gerade langsamsten bilden werden, sind ein Risiko bei Aus- und Auffahrten und versperren den schnellen Weg auf den Seitenstreifen.

Ich freue mich auch darüber, dass wieder einmal ein Symptom bekämpft. Persönlich halte ich den massiven Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot auf den Autobahnen für das größte Hemmnis. Es wird auf der Mittelspur oder der linken gefahren. Der PKW-Schleicher links, der nicht wieder rechts einschert, führt zu exakt denselben langen Reihen von Autos wie der oben beschriebene langsame LKW rechts. Das Problem kennt jeder, der gelegentlich ein wenig schneller fahren würde.

Dass viel Verkehr zu geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit führt, ist jedem bekannt. Dass LKWs um der Wählerstimmen der Autofahrer willen jetzt neben der Maut auch noch Verbote verpasst bekommen sollen, stinkt zum Himmel. Der Staat alloziert mal wieder vor sich hin, weil er meint, alles besser zu wissen. So eine Chuzpe will ich auch mal haben.

Gerade läuft: “Don’t Stand So Close To Me” von The Police