Die VNG wehrt sich mal wieder gegen die Übernahme durch EWE. Jetzt macht sich, wie man so schön sagt, der Ministerpräsident Sachsens “stark”, weil das eine staatliche Unternehmen ein anderes weitestgehend staatliches Unternehmen übernehmen will. Wenigstens ist die Politik konsequent: Man hält sich aus dem Energiemarkt nicht raus, also hält man sich auch nicht aus aktuellen Diskussionen raus, die die Politik eigentlich überhaupt nichts angehen.
Die Idee, die einen kommunalen Eigner gegen die anderen auszuspielen, ist aber auch zu schön. Wenn ich Jena oder Halle wäre und Geld bräuchte, würde ich das direkt ausnutzen. Eine Art offen zur Schau gestelltes Insidergeschäft. Ich weiß, dass alle anderen Kommunen aus politischen, nicht aus wirtschaftlichem Kalkül an der Sperrminorität der kommunalen Beteiligungsgesellschaft interessiert sind. Wenn ich nun Gespräche in Gang bringe, die einen Verkauf an EWE und damit den Verlust eben dieser Sperrminorität zur Folge haben könnten, würden die anderen Kommunen vermutlich ein Gegenangebot machen. Jena und Halle hätten deutliche Einnahmen im Haushalt auf Kosten der Bürger aller anderen beteiligten Kommunen und die Investoren aus der Ferne hätten das Nachsehen. Und siehe da, was lesen meine Augen heute morgen in der LVZ:
EWE ist mit den Städten Jena und Halle in Verkaufsgesprächen. Über den Ausstieg von Kommunen ist in der VNG Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (VuB), in der zwölf Städte ihre Anteile bündeln, ein heftiger Streit ausgebrochen. Sie würde dadurch ihre Sperrminorität und ihren Einfluss auf den Leipziger Konzern verlieren. Wie VuB-Geschäftsführer Andreas Reinhardt gestern versicherte, will die Mehrheit dies verhindern. „Wir werden ein Angebot in Höhe der EWE-Offerte vorlegen“, sagte er.
Das ganze ist schon sehr traurig. Die Tatsache, dass Kommunen derart mit dem ihnen von den Bürgern überlassenen Geld umgehen, stinkt zum Himmel.
Gerade läuft: “Soul” von Van Morrisson