September 2008


leipzig& misc& privat26 Sep 2008 09:52 am

…ist doch, dass niemand mehr in stehengelassene Taschen reinguckt. Das Bombenkommando ist, wie Freunde in der Woche erleben konnten, die Reaktion der Wahl auf eine vergessene Tasche mit Babywindeln. Der Blick hinein wird nicht einmal in Betracht gezogen.

Gerade läuft: “Too Hot” von Kool & The Gang

politisch& wirtschaft20 Sep 2008 12:36 pm

So ein Gartenteich ist was Wunderbares. Beruhigend ist er, Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, man kann davor stehen und reinschauen und eine gewisse Entspannung macht sich breit. So geht es mir. Und ich rede nicht von solchen Kunstteichen mit Plasteboden und Goldfischen. Die Fische im Gartenteich vermehren sich immer gerade soweit, dass sie noch genügend zu fressen haben und dass sie selber nicht Gefahr laufen, durch Vögel und anderes Getier aufgefressen zu werden. Wäre da nicht der Gartenbesitzer. Der findet seine Fische natürlich toll, und dass sie sich so vermehren und die Mückenlarven fressen und so ein tolles Naturerlebnis in seinen Garten bringen. Und schließlich, spätestens mit dem Eintritt ins Rentenalter, greift er ohne Not zur Futterdose und das Elend nimmt seinen Lauf. Fische sind ein ehrliches Volk: Wer ihnen Futter gibt, den haben sie lieb. Kunststück: Nach unten sinkende Flocken zu fressen ist einfacher, als nach Mücken zu springen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Fische an das Futter, sie erkennen, wenn jemand auf dem Steg erscheint und sammeln sich dort, wo das Futter üblicherweise hingekrümelt wird. Wir kennen das aus den diversen Fischfütterstationen der am Wasser gelegenen Sehenswürdigkeiten dieser Welt. Der Gartenbesitzer freut sich, dass so viele Fische da sind. Die scheinen sich gut zu entwickeln, er kann sie sehen, und er füttert weiter. Das alte Jahr geht vorbei, das neue kommt, und eine neue Generation Fische wächst heran, zahlreicher als die vorherige. Und unser Gartenbesitzer füttert weiter. Immer nur ein kleines bisschen, aber natürlich für mehr Fische, denn es sind ja auch mehr. Und die Fische sind immer mehr daran gewöhnt, dass es Futter gibt. Sie stellen ihre Verhaltensweisen um, sie verringern ihre Jagdausflüge im Teich, denn es kommt ja Futter. Das komplette Leben der Fische passt sich den veränderten Umständen und dem unverhofften Wohlergehen an.
Fischfutter ist die Transferleistung des kleinen Mannes. Ohne Not greift er in ein funktionierendes System ein, aus dem niederen Wunsch nach Amüsement und Anerkennung, denn ganz klar: Die zahlreiche Anwesenheit der Fische schmeichelt seinem Ego als Teichbesitzer. Die Fische nehmen die hingeworfenen Futterflocken dankbar an, das wundert nicht, sind sie doch an keine weiteren Bedingungen geknüpft, als sich dem Teichbesitzer zu zeigen und sich zu vermehren. Was wäre einfacher?
Wechselt nun der Teichbesitzer und stellte der neue Mann auf dem Steg das Füttern ein, so machte er sich des wissentlichen mehrfachen Mordes durch verhungern an den zahlreichen Fischen schuldig, eine Bürde freilich, der man nur bei Teichfischen noch mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnen kann. Doch was, wenn es nicht mehr um Fische geht, wenn das bedingungslose Almosen nicht mehr nur Futterflocken sind, sondern die Existenz von Menschen erst bereichert und später sichert, wenn ein Wegfall zu Aufbegehren führt, das artikuliert werden kann. Dann fällt die Konsequenz des Teichbesitzers vielleicht weniger strikt aus, er ließe sich vom Druck der an die Almosen gewöhnten Menschen vielleicht beeindrucken. Diejenigen, die nach seiner Einmischung nicht riefen, wird er nicht mehr los, oder nur um den Preis der Unmenschlichkeit und der sozialen Kälte. Die Tat, die dieser Folgeerscheinung Ursache war, bleibt unthematisiert.

Gerade läuft: “Riders in the Sky” von The Blues Brothers

politisch& wirtschaft15 Sep 2008 07:56 pm

Oskar Lafontaine rückt mit der Sprache raus. Im Capital-Gespräch spricht er offen von der Enteignung einiger weniger der Gesellschaft. Willkür, Abkehr vom Eigentumsprinzip, Neid, Misgunst, Schüren von Klassenhass. Das sind die Methoden von Lafontaine. Auweia. Und die tumbe Masse findet’s vermutlich gut, wenn “die da oben” was auf den Deckel bekommen. Die von Lafontaine angeführte Rückverteilung des Eigentums an die Belegschaft lässt einen Fakt außer acht: Das von ihm so geschätzte und beeignete Kollektiv wäre niemals in der Lage gewesen, ein solches Unternehmen mit Kollektivinteressen aufzubauen oder zu führen. Dazu braucht es individuelles Engagement und individuelle Interessen.

Gerade läuft: “My Friend” von Groove Armada

wirtschaft15 Sep 2008 07:14 am

Meines Wissens muss bei Discountern auch von vorrübergehenden Angeboten immer eine gewisse Menge vorrätig sein. Die genaue Formulierung ist mir nicht bekannt. Heute bin ich mal früh aufgewesen, also so richtig früh, und habe tatsächlich mal 7 Uhr bei brands4friends reingeschaut und siehe da: Alle heute erstmals angebotenen Artikel “teilweise ausverkauft”. Darf sowas sein?
B4F
Screenshot: brands4friends.de, 15.09.08, 07:04 Uhr

Gerade läuft: “More Than This” von Roxy Music

medien& politisch& wirtschaft06 Sep 2008 04:39 pm

Bei einer solchen Forderung nach einem Werbeverbot bei ARD und ZDF, die ich im Kern begrüße, fällt der Politik wieder nur die höhere Belastung der Bürger, in diesem Fall der Gebührenzahler ein.

Man könnte es ja auch mal mit Sparen versuchen.

Gerade läuft: “Gold” von Klee

politisch& privat05 Sep 2008 11:26 am

Habe die Nacht genutzt und mir die McCain-Rede angeschaut. Lange wachbleiben kann so sinnlos sein. Bis gestern galt meine Unterstützung John McCain. Obwohl sie letzten Freitag mit der Nominerung von Sarah Barracuda schon arge Brüche bekommen hatte. Seit dieser Rede hat er zumindest in meinen AUgen verloren. Die ihm nachgesagte Schwäche in der Wirtschaftspolitik hat Obama auch, der ist halt ein Etatist. Aber es geht mir gar nicht darum, McCain im Vergleich zu Obama zu beurteilen. Bereits in den letzten Tagen wirkte er einfach nur alt. Nix gegen alte Menschen, aber muss das denn sein? Und dann diese Rede. Dröge, emotionsarm, inhaltsschwach, ohne jede Dynamik. Mir ist der Jubel im Saal unerklärlich, aber wahrscheinlich haben die Republikaner einfach keine andere Wahl mehr. Jetzt müssen sie ihn unterstützen, komme, was da wolle. Jemandem mit diesem Charisma kann man doch nicht ernsthaft zum Präsidenten haben wollen. Von den intellektuellen Mängeln seiner Running Mate mal abgesehen. Eine Vizepräsidentin, die sich für die Schöpfungstheorie im Biologieunterricht ausspricht, die gegen Verhütung, Abtreibung und sexuelle Aufklärung zu Felde zieht, beweist, dass sie eine rückwärtsgewandte Konservative ist. Ich möchte nicht, dass so jemand auf Dick Cheney folgt.

Womit nicht gesagt sein soll, dass ich von nun an Obama gut finde. Das muss ich mir erst noch schwer überlegen.

Gerade läuft mal nix

leipzig& politisch05 Sep 2008 09:44 am

Heute zum zweiten Mal in der LVZ. Ein Vorschlag, der bei mir nur Kopfschütteln hervorruft. Die Stadt Leipzig könne doch Arbeitslose einsetzen zum Schutz von Grundschülern vor Kinderschändern. Ich glaube, es hackt. Seit Jahren wird an allen Ecken und Enden gespart, gerade kommt auf die Polizei wieder eine neue Kürzungsrunde zu, es werden Stellen abgebaut. Der Schutz vor Kriminalität ist eine Aufgabe der Polizei, vielleicht noch vom Stadtordnungsdienst, aber sonst von niemandem.
Anstatt solche Forderungen nach Bürgerstreifen aufzumachen, denn nichts anderes wird hier verlangt, sollte man lieber klar sagen, dass die Kürzungen im Sicherheitsbereich falsch waren und sind. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, welche Arbeitslosen sich auf so eine Anfrage der Stadt bewerben würden. Wer soll das prüfen? Abgesehen davon: Die Zahl der Übergriffe auf Kinder geht zurück, auch wenn tragischerweise Leipzig jetzt innerhalb von 2 Jahren zweimal betroffen war: Es besteht kein Grund für Aktionismus. Würde der Freistaat die Möglichkeiten, die er hat, auch vernünftig nutzen, wäre schon die Frage nach einer Bürgerstreife obsolet. Aber der Freistaat gibt das Geld lieber woanders aus, trotz Verwaltungsreform wurde kaum Verwaltungspersonal abgebaut, das bei der Polizei dringend gebraucht würde. So kann man es nicht machen.

Gerade läuft: “My Favourite Game” von The BossHoss

politisch& sachsen& wirtschaft03 Sep 2008 07:11 pm

Christian hat mich auf diesen Artikel in der taz stoßen lassen. Darin wird eine Publikation von Friedrich Thießen (Prof. für Finanzwirtschaft) und Christian Fischer von der TU Chemnitz zitiert und kommentiert, die es hier als PDF als Vollversion oder Zusammenfassung gibt. Teaser des Artikels:

Hartz-IV-Empfänger sollen mit einem monatlichen Regelsatz von 132 Euro auskommen, fordern Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz.

Naja, man erwartet von der taz nichts anderes, ein bisschen links-reißerisch muss es schon sein. Letztlich ist das der Grund, warum ich mir auch hin und wieder eine kaufe, macht ja Spaß. Allerdings wird im Teaser eine Forderung der beiden Forscher nach einer Senkung des Hartz-IV-Regelsatzes unterstellt, die nicht im Artikel enthalten ist. Vielmehr wird, anhand eines Minimalfalles und eines Maximalfalles im Vergleich mit dem derzeitigen Regelsatz und dem Standard-Einkaufskorb des Statistischen Bundesamtes ein Versuch unternommen, die Mindestsicherung zu quantifizieren. Das geschieht meiner Einschätzung nach überhaupt nicht wertend dahingehend, dass die Empfänger Schmarotzer wären oder ähnliches. Es werden aber sehr wohl der derzeitige Regelsatz und kommentierend die zahlreichen Prozesse gegen die ALGII-Bescheide gegenübergestellt.

Die Studie ist allemal lesenswert. Sie ist nachvollziehbar und sauber gemacht, zahlreiche Einschränkungen der Interpretierbarkeit werden im Text selbst vorgenommen. Das selbstbestimmte und rational handelnde Individuum wird vorausgesetzt, die Verpflichtung des Staates, denjenigen beizuspringen, die so nicht handeln können, aufgrund welcher Gründe auch immer, wird herausgestrichen.

Die taz holt sich Beistand vom DGB.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verurteilte die Studie als “hochgradig interessengeleitet”. Die Umsetzung des Vorschlags würde die ohnehin wachsende Einkommensungleichheit massiv verschärfen, sagte sie der taz.

Jetzt muss sie mir nur noch erklären, was ALGII mit Einkommen zu tun hat. Einkommen kriege ich, weil ich arbeite, Rechnungen schreibe und Steuern zahle. ALGII ist kein Einkommen. Aber es geht noch weiter.

In einer Tabelle erstellen die Autoren deshalb für alle relevanten Lebensbereiche Richtwerte, die ihrer Meinung nach angemessen sind. Die Preiserhebungen wurden ausschließlich in Discountern und Billig-Ketten durchgeführt. So reiche ein Euro, um den monatlichen Freizeit- und Unterhaltungsbedarf von Hartz-IV-Empfängern zu decken. Mit zwei Euro für “20 Min./Tag Internet in Stadtbibliothek” ließe sich ausreichend kommunizieren. Der Bedarf für Lebensmittel wird auf 68 Euro monatlich taxiert. Auf Alkohol und Tabak müsse verzichtet werden.

DGB-Vorstandsmitglied Buntenbach zeigte sich entsetzt. Sie warf den Autoren vor, die sich ausbreitende Armut mit Theoriespielchen zu verschleiern. “Nicht einmal der laufende Schulbedarf für Kinder ist gedeckt”, so Buntenbach. “Der Regelsatz enthält lediglich 1,63 Euro für allgemeine Schreibwaren.”

Discounter und Billigmärkte sind wohl nicht in Ordnung für Hartz-IV-Empfänger? Für viele erwerbstätige Menschen am unteren Einkommensende aber schon, oder was? Welche Märkte und Geschäfte stehen einem Transferempfänger denn mindestens zu, Frau Buntenbach? Mir wäre eine solche Regelung neu, mir wäre auch neu, dass es unzumutbar wäre, wenn man bei Thomas Philipps oder Deichmann einkaufen “muss”. Die angenommenen Werte sind übrigens nicht “nach Meinung der Autoren angemessen”, sondern klar hergeleitet aus dem durchschnittlichen Budget deutscher Haushalte.

Der Verzicht auf Suchtmittel wie Alkohol und Tabak ist unzumutbar? Mir neu. Ich finanziere als Steuerzahler also zwangsweise einerseits den Konsum und andererseits auch die spätere Behandlung der Folgekrankheiten? Danke, liebe Gewerkschaft, dass Du Dich so um die Arbeitslosen, kümmerst. Kümmere Dich mal um die, die arbeiten und den ganzen Spaß bezahlen. Aber ich polemisiere. Der Punkt mit den Schulmitteln ist zwar richtig, wird aber in der Studie ausgeklammert. Dort heißt es:

Grundlage der Untersuchung ist ein gesundes, rational handelndes Individuum frei von Suchtoder
anderen Erkrankungen oder Behinderungen mit folgenden Ausprägungen:
• Männlich
• 1-Personen Haushalt, keine Kinder
• Mittleres Alter (18-65 Jahre)
• Körpergröße 1,70 m, Gewicht 70 kg
• Deutsche Staatsangehörigkeit, deutsche Verbrauchsgewohnheiten
• Kein Sonderfall (gesund, nicht geistig und körperlich behindert oder pflegebedürftig)

Wie man aus der vorgestellten Studie einen solchen Artikel zimmern kann, weiß man wohl nur in der taz-Redaktion. Wie gesagt, ich empfehle die Lektüre der Studie. Ob ich sie als Grundlage für irgendwelche politischen Forderungen heranziehen würde, weiß ich noch nicht.

Gerade läuft: “Alfie” von Joss Stone

web03 Sep 2008 09:24 am

Habs mir gestern abend schon installiert. Mache es heute wieder runter. Ist ein Browser, der offenkundig funktioniert - aber mehr auch nicht. Leider wenig komortabel.

Gerade läuft: “Tastenklicken” von Studenten in der Albertina