So ein Gartenteich ist was Wunderbares. Beruhigend ist er, Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, man kann davor stehen und reinschauen und eine gewisse Entspannung macht sich breit. So geht es mir. Und ich rede nicht von solchen Kunstteichen mit Plasteboden und Goldfischen. Die Fische im Gartenteich vermehren sich immer gerade soweit, dass sie noch genügend zu fressen haben und dass sie selber nicht Gefahr laufen, durch Vögel und anderes Getier aufgefressen zu werden. Wäre da nicht der Gartenbesitzer. Der findet seine Fische natürlich toll, und dass sie sich so vermehren und die Mückenlarven fressen und so ein tolles Naturerlebnis in seinen Garten bringen. Und schließlich, spätestens mit dem Eintritt ins Rentenalter, greift er ohne Not zur Futterdose und das Elend nimmt seinen Lauf. Fische sind ein ehrliches Volk: Wer ihnen Futter gibt, den haben sie lieb. Kunststück: Nach unten sinkende Flocken zu fressen ist einfacher, als nach Mücken zu springen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Fische an das Futter, sie erkennen, wenn jemand auf dem Steg erscheint und sammeln sich dort, wo das Futter üblicherweise hingekrümelt wird. Wir kennen das aus den diversen Fischfütterstationen der am Wasser gelegenen Sehenswürdigkeiten dieser Welt. Der Gartenbesitzer freut sich, dass so viele Fische da sind. Die scheinen sich gut zu entwickeln, er kann sie sehen, und er füttert weiter. Das alte Jahr geht vorbei, das neue kommt, und eine neue Generation Fische wächst heran, zahlreicher als die vorherige. Und unser Gartenbesitzer füttert weiter. Immer nur ein kleines bisschen, aber natürlich für mehr Fische, denn es sind ja auch mehr. Und die Fische sind immer mehr daran gewöhnt, dass es Futter gibt. Sie stellen ihre Verhaltensweisen um, sie verringern ihre Jagdausflüge im Teich, denn es kommt ja Futter. Das komplette Leben der Fische passt sich den veränderten Umständen und dem unverhofften Wohlergehen an.
Fischfutter ist die Transferleistung des kleinen Mannes. Ohne Not greift er in ein funktionierendes System ein, aus dem niederen Wunsch nach Amüsement und Anerkennung, denn ganz klar: Die zahlreiche Anwesenheit der Fische schmeichelt seinem Ego als Teichbesitzer. Die Fische nehmen die hingeworfenen Futterflocken dankbar an, das wundert nicht, sind sie doch an keine weiteren Bedingungen geknüpft, als sich dem Teichbesitzer zu zeigen und sich zu vermehren. Was wäre einfacher?
Wechselt nun der Teichbesitzer und stellte der neue Mann auf dem Steg das Füttern ein, so machte er sich des wissentlichen mehrfachen Mordes durch verhungern an den zahlreichen Fischen schuldig, eine Bürde freilich, der man nur bei Teichfischen noch mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnen kann. Doch was, wenn es nicht mehr um Fische geht, wenn das bedingungslose Almosen nicht mehr nur Futterflocken sind, sondern die Existenz von Menschen erst bereichert und später sichert, wenn ein Wegfall zu Aufbegehren führt, das artikuliert werden kann. Dann fällt die Konsequenz des Teichbesitzers vielleicht weniger strikt aus, er ließe sich vom Druck der an die Almosen gewöhnten Menschen vielleicht beeindrucken. Diejenigen, die nach seiner Einmischung nicht riefen, wird er nicht mehr los, oder nur um den Preis der Unmenschlichkeit und der sozialen Kälte. Die Tat, die dieser Folgeerscheinung Ursache war, bleibt unthematisiert.
Gerade läuft: “Riders in the Sky” von The Blues Brothers