Realtiv kurzfristig kam vor zwei Wochen eine Einladung zu dieser Veranstaltung im Bundestag, die von der FDP-BT-Fraktion und der AG Medien der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz organisiert wurde. Es war eine furchtbare Anfahrt aus Leipzig, im Regen und im Nebel mit zwei kleinen Staus undd Matsch auf den Berliner Straßen.
Jedenfalls sind bei der Debatte als Experten dabei:
- Dr. Hans Hege - mabb
- Hans-Dieter Hillmoth - VPRT
- Thomas Wächter - T-Systems
- Klaus Schunk - Radio Regenbogen
- Dr. Verena Wiedemann - ARD
Moderiert wird von Hans-Joachim Otto, der sich zwar von allen anderen kurze Statements wünscht, selbst aber mal wieder gerne und viel spricht
Erstes Eingangsstatment von Dr. Wiedemann, abgelesener Text, wenig kreativ. Zweites Statement Herr Hillmoth, ausführlich. Drittes Statement von Radio Regenbogen: Problematik liegt anders als bei den öffentlich-rechtlichen, da Investitionen zunächst erarbeitet werden müssen. Alle drei bisherigen Redner betonen die Wichtigkeit offener und einheitlicher Standards. T-Systems spricht aus technischer Sicht, Wächter barmt etwas, weil T-Systems offenbar aus der Telekom ausgegliedert werden soll, sieht die technische Entwicklung als ausschlaggebend für weitere Entwicklung, technische Standards über alles. Dr. Hege räumt bei der isherigen Entwickung Fehler ein: man hat den Verbraucher nicht einkalkuliert, Politik und Regulierung hätten Digitalisierung am Markt vorbei beschlossen; DAB-Sender habe zu geringe Leistung, waren für Radiohören im Auto geplant, innerhalb von Häusern keine Chance. Der Anreiz für Unternehmen, in die Digitalisierung zu investieren, ist nicht gegeben, wenn man keinen oder kaum Mehrwert erzielt. Hege hat mit vielem,was er sagt, Recht, aber er spricht zu lange.
Otto macht den Diskussionsrahmen noch etwas größer, indem er auf internationale Aspekte und Beispiele hinweist. Erstmal abspeichern.
Hillmoth geht gegen Dr. Wiedemann vor:
Der HR hat zweckgebundene Mittel für die Digitalisierung für die Schaffung neuer UKW-Programme genutzt.
Kopfschütteln bei Wiedemann. Otto fragt und fragt, eine Diskussion findet quasi nicht statt.
Ich verstehe nicht, worüber hier gesprochen wird: die entscheidende Frage ist doch, ob die Leute das wollen. Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, den Markt sich entwickeln zu lassen. Warum die Digitalisierung staatlich verordnen? Wenn die Nachbarstaaten digitalisieren wird der Zwang dazu auch in Deutschland kommen. Nur, weil Radio- und Politikgranden unentwegt von der Digitalisierung reden, müssen die Hörer das doch lange nicht wollen oder brauchen. Mir reicht mein Mobiltelefon, auf dem ich in Berlin um die zwanzig Sender empfangen kann in gnadenlos guter Soundqualität. Also was soll das?
Otto ignoriert die Gesprächswünsche aus dem Panel, weil er seine Fragen loswerden will. Schunk will schon seit einer halben Stunde das Wort ergreifen, ihm wird aber das Wort nicht erteilt.
11.35 Uhr: Jetzt fragt Otto, ob denn DMB nicht der bessere Standard für digitales Radio UND mobiles Digital-TV wäre, wenn es doch nach dem Stand der Diskussion für Radio das bessere wäre. Ich frage mich, warum man die technische Diskussion nicht woanders lässt. Die Empfangsgeräte werden alles können, so haben wir das ja von Samsung auf der letzten IFA auch gehört. Der Technikseite ist der Standard wurscht, und ähnlich wie es Mono-, Dual- und Tri-Band-Handies gibt, wird es verschiedene Geräte geben und solche, die alle Standards können. Lasst es sich entwickeln! Bitte!
Schunk erläutert seine Erwartungen an die Politik: wenn Rundfunk kein alleiniges WIrtschaftsgut ist, dann müsse auf die Trennung von Content und Netz geachtet werden, Telcos dürften keine Inhalte entwickeln. Private Anbieter gehen davon aus, dass Plattformbetreiber nicht bestimmen, wer auf die Plattform darf (Diskriminierung). 50-50-Aufteilung des Marktes zwischen ÖR- und privatem Rundfunk dürfe nicht sein.
12 Uhr: jetzt wird es schön. Hillmoth schießt gegen Wiedemann, kritisiert die Expansion der ÖR. Hege meint, es brauchte unbedingt neue Regelungen zu den Plattformen, da sich diese sonst den bisherigen Regelungen des Rundfunkrechts entzögen. Hege redet und redet, alles zwei oder dreimal, aber grnudsätzlich fin ich seine Statements in Ordnung.
12.10 Uhr: Diskussion beginnt. Fragen nach den Geschäftsmodellen, Anmerkungen zu ordnender Kraft der großen Marktteilnehmer, die auch in dem neuen, digitalisierten Markt genutzt werde müsse, um die Fehler der Digitalisierung im Musikmarkt nicht zu wiederholen.
12.25 Uhr: Dr. Wiedemann drückt auf die Tränendrüse und meint, der ÖR-Rundfunk hat doch bloß 59 Programme, das sei doch nur ein Fünftel des gesamten Angebots in der Republik. Milchmädchenrechnung, schließlich haben die ÖR Sender oft die besseren Frequenzen, haben wesentlich stärkere Sendeleistungen.
12.45 Uhr: Ich schreib im Zug weiter.
15.12 Uhr: Zug nach Leipzig. Insgesamt gabs nicht so wahnsinnig viel neues bei der Sitzung. Jedenfalls für mich. Die Knackpunkte hab ich oben schon geschildert. Frau Dr. Wiedemann hat mich ein bisschen enttäuscht, schließlich war sie mir als Frau mit einem Koffer voller Totschlagargumente geschildert worden. Den hatte sie wohl nicht dabei. Anyway.
Es wäre unhöflich, wenn jetzt was laufen würde