Ich bin seit 2001 Mitglied des Kreisvorstandes der Leipziger FDP, will sagen: ich weiß über Entscheidungen im Verband bescheid. Das nur vorweg, wegen der Glaubwürdigkeit.
Gestern abend krieg ich ne Mail von unserem Vorsitzenden, in dem ich auf einen Artikel in der LVZ vom 17. Juli auf Seite 13 hingewiesen werde:
Die Leipziger FDP pustet frischen Wind ins politische Theater. Sie denkt das Genre weiter. Das Fernseh-Sternchen Sarah Kuttner, das bislang nicht gerade als Speerspitze des investigativen Journalismus bekannt war, hat das recherchiert. Kuttner unterhielt sich für ihre Sendung „Kleinanzeigen“ mit einem Leipziger Mietdemonstranten. Der erzählte nebenbei, wie ihn die FDP Anfang des Jahres anheuerte, um für die Privatisierung der Stadtwerke zu protestieren. 130 Euro habe er dafür erhalten, bar auf die Hand, ohne Papierkram.
Geil. Habe Kuttners Sendung nicht gesehen, habe das Wortprotokoll gelesen. Interessanterweise ist nichts von dem, was er sagt, wahr. Aus zwei Gründen. Erstens gab es während der gesamten Kampagne für die Privatisierung der Stadtwerke keine Demonstration und auch keinen Infostand der FDP. Es gab meines Wissens überhaupt keine Demonstration, die sich für den Verkauf der Stadtwerke eingesetzt hat. Die einzigen Aktionen der Liberalen mit richtig Manpower, die im Vorfeld gelaufen sind, waren die Plakatierung der Stadt und eine Flyeraktion der JuLis. Da hat kein Andreas Jacobi mitgemacht. Zweitens wäre die Situation, so wie sie von Jacobi geschildert wird, rechtswidrig. Eine Zahlung ohne Beleg aus dem Vermögen der FDP ist schlicht unmöglich. Eine Zahlung aus der privaten Tasche eines FDP-Mitgliedes an Herrn Jacobi wäre strafbar (verdeckte Parteienfinanzierung) unter der Voraussetzung, dass die Partei etwas davon hat und das Vorgehen mit der Partei abgestimmt ist. Ist es aber nicht. Und was sollte die FDP davon haben, einen einzigen Mietdemonstranten anzuheuern? Das ist lächerlich, auch deshalb, weil auch die FDP mit “130 Euro pro Tag plus Fahrtkosten” (Zitat Wortprotokoll) besseres anfangen kann als einen Alleingänger auf die Straße zu schicken.
Ich stelle mir auch die Frage, was das für ein Geschäftsmodell ist, das es ermöglicht, für 130 Euro am Tag arbeiten zu können. Schwarz auf die Hand. Was ist das für ein Typ, der seine Schwarzarbeit in Zeitungsannoncen anbietet und darüber im Fernsehen erzählt?
Eine anderer Punkt treibt mich um: Die LVZ spricht davon, Sarah Kuttner hätte “recherchiert”. Hat sie ja offenbar nicht, denn die Leipziger FDP wurde nicht befragt. Einen Kleinannoncensteller bloßzustellen als jemanden, der sich mit Flaschbehauptungen interessant macht, wäre ja auch zu viel Aufwand. Und mwö, der Autor des Artikels, hat sonntag abend Fernsehen geguckt und schön abgeschrieben, nachgefragt bei uns wurde auch von Seiten der LVZ nicht. Das ist die vielgerühmte journalistische Sorgfalt.
Gerade läuft: “Well Phase” von Masterfleet